Startseite News Allgemein GARAN-Label im E-Commerce: Warum die neue EU-Kennzeichnung vor allem ein Produktdaten-Thema ist

GARAN-Label im E-Commerce: Warum die neue EU-Kennzeichnung vor allem ein Produktdaten-Thema ist

Ab dem 27. September 2026 führt die EU mit dem GARAN-Label eine neue standardisierte Kennzeichnung für bestimmte gewerbliche Haltbarkeitsgarantien ein. Auf den ersten Blick wirkt die Änderung überschaubar: Ein neues Label muss bei bestimmten Produkten im Onlineshop angezeigt werden.

Technisch beginnt die eigentliche Arbeit allerdings einen Schritt früher. Denn ein Shop kann das GARAN-Label nur dann zuverlässig anzeigen, wenn er überhaupt weiß:

  • Welcher Hersteller steht hinter dem Produkt?
  • Wie lautet die Modellkennung?
  • Wie lange gilt die Herstellergarantie?
  • Bezieht sich die Garantie auf das gesamte Produkt?
  • Welche Produkte erfüllen überhaupt die Voraussetzungen für das GARAN-Label?
  • Wo liegen diese Informationen heute?

Bei wenigen Produkten kann man solche Daten manuell pflegen. Bei mehreren Tausend Artikeln wird daraus eine Frage von PIM, ERP, Produktdatenqualität und Systemintegration.

ECONSOR-Einschätzung: Das GARAN-Label ist sichtbar nur eine Kennzeichnung. Dahinter steckt bei größeren Shops ein Produktdatenprozess.


Was ist das GARAN-Label?

Das GARAN-Label gehört zu den neuen EU-Vorgaben zur besseren Verbraucherinformation. Es soll Verbraucher darauf aufmerksam machen, wenn ein Hersteller für eine Ware eine bestimmte gewerbliche Haltbarkeitsgarantie anbietet.

Die Gestaltung des Labels ist von der EU standardisiert. Es soll dadurch in allen Mitgliedstaaten wiedererkennbar sein und darf nicht einfach durch ein individuell gestaltetes Garantie-Badge ersetzt werden. Die konkrete Gestaltung ist in der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960 festgelegt.

Wichtig ist dabei die Abgrenzung zum allgemeinen EU-Gewährleistungshinweis. Der Gewährleistungshinweis betrifft grundsätzlich den gesetzlichen Schutz von Verbrauchern beim Warenkauf. Das GARAN-Label betrifft dagegen eine zusätzliche freiwillige Haltbarkeitsgarantie des Herstellers.

Drei Begriffe, die nicht dasselbe bedeuten

Gesetzliche Gewährleistung
Gesetzlich geregelte Rechte des Käufers gegenüber dem Verkäufer bei nicht vertragsgemäßer Ware.

Gewerbliche Garantie
Freiwillige zusätzliche Zusage eines Herstellers oder Verkäufers.

GARAN-Label
EU-weit standardisierte Kennzeichnung für bestimmte Haltbarkeitsgarantien des Herstellers.

Genau diese Trennung sollte auch in Produktdaten, Shoplogik und Kommunikation sauber abgebildet werden.

Wann wird das GARAN-Label relevant?

Das GARAN-Label ist nicht für jedes Produkt mit irgendeiner Garantie vorgesehen.

Relevant ist insbesondere eine kostenlose gewerbliche Haltbarkeitsgarantie des Herstellers von mehr als zwei Jahren für die gesamte Ware. Die zugrunde liegende EU-Richtlinie 2024/825 regelt die entsprechende Verbraucherinformation und die Einführung der harmonisierten Kennzeichnung.

Das bedeutet in der Praxis:

  1. Ein Produkt mit einer zweijährigen Standardgarantie löst nicht automatisch das GARAN-Label aus.
  2. Eine Garantie auf ein einzelnes Bauteil ist ebenfalls nicht automatisch dasselbe wie eine Haltbarkeitsgarantie auf das gesamte Produkt.
  3. Und eine freiwillige Händlergarantie ist von einer Herstellergarantie zu unterscheiden.

Genau deshalb sollte die Umsetzung nicht mit der Frage beginnen: „Wo setzen wir das Badge hin?“ Sondern mit: „Welche unserer Produkte erfüllen überhaupt die Voraussetzungen?“

Welche Unternehmen betrifft das besonders?

Die Relevanz hängt stark vom Sortiment ab. Besonders häufig dürften Händler und Hersteller betroffen sein, die langlebige Konsumgüter mit mehrjährigen Herstellergarantien verkaufen.

Branche / SortimentTypische GARAN-Relevanz
Elektroniksehr hoch
Haushaltsgerätesehr hoch
Elektrowerkzeugehoch
Fahrräder / E-Bikeshoch
Möbelmittel bis hoch
hochwertige Haushaltswarenmittel bis hoch
Automotive-Zubehörmittel
Sportgerätemittel
Modeeher gering
Kosmetikeher gering
Lebensmittel / FMCGmeist gering

Diese Tabelle ist keine rechtliche Einstufung einzelner Produkte. Sie zeigt lediglich, wo freiwillige mehrjährige Herstellergarantien in der Praxis besonders häufig vorkommen.

Ein Händler für Elektrowerkzeuge sollte das Thema daher mit größerer Priorität prüfen als ein Shop für Verbrauchslebensmittel.

Das eigentliche Problem: Weiß Ihr Shop überhaupt, welche Garantie ein Produkt hat?

Genau hier unterscheiden sich kleine von komplexen Commerce-Projekten. Bei einem Hersteller mit 30 Produkten kann die Garantiedauer möglicherweise noch direkt im Shop gepflegt werden. Bei einem Händler mit 40.000 Artikeln von 350 Herstellern sieht die Realität meist anders aus.

Die Informationen liegen verteilt:

Hersteller im ERP.

Produktmarketing im PIM.

Technische Dokumentation als PDF.

Modellnummern im Shop.

Garantiedauer im Lieferantenfeed oder im Beschreibungstext.

Garantiebedingungen irgendwo auf der Herstellerwebsite.

Und manchmal steht eine dreijährige Garantie nur als Satz in einer Excel-Datei, die jemand vor drei Jahren importiert hat. Das ist erstaunlich häufig die Stelle, an der aus „wir brauchen ein Label“ ein echtes Digitalprojekt wird.

Die wichtigste Frage vor der technischen Umsetzung

Können Sie heute eine Liste aller Produkte erzeugen, für die eine Herstellergarantie von mehr als zwei Jahren gilt?

Wenn die Antwort nicht innerhalb weniger Minuten möglich ist, besteht nicht zuerst ein Frontend-Problem.

Es besteht ein Produktdatenproblem.

Garantiedaten technisch prüfen

Garantiedaten technisch prüfen

Unsere Experten analysieren Ihre Produktdaten und Systeme.

  • Garantiedaten in Shop, ERP und PIM erfassen
  • Fehlende Attribute und Datenquellen sichtbar machen
  • Technischen Lösungsweg für freigegebene Vorgaben entwickeln

Welche Produktdaten werden für GARAN relevant?

Das GARAN-Label selbst enthält produktspezifische Angaben. Dazu gehören insbesondere:

  • Hersteller bzw. Marke
  • Modellkennung
  • Dauer der Haltbarkeitsgarantie

Hasans technische Voranalyse nennt genau diese produktspezifischen Informationen als relevante Grundlage für die Darstellung. Für eine belastbare technische Lösung würden wir das Datenmodell allerdings etwas weiter denken.

Sinnvolle Felder können beispielsweise sein:

DatenfeldZweck
Hersteller / MarkeZuordnung des Garantiegebers
Modellkennungeindeutige Produktidentifikation
GarantiedauerDarstellung im GARAN-Label
GarantieartHerstellergarantie / Händlergarantie / sonstige
Garantie für gesamte Warewichtig für die fachliche Qualifizierung
GARAN relevanttechnisches Steuerungsfeld
GarantiebedingungenVerknüpfung zu Dokument oder URL
Markt / Landggf. unterschiedliche Garantiebedingungen
gültig ab / bisPflege bei Änderungen

Nicht jedes dieser Felder ist zwingender Bestandteil des Labels. Aus Systemsicht sind sie aber sinnvoll, weil sie die Entscheidung, ob ein Label ausgespielt wird, sauber von der eigentlichen Darstellung trennen.

Warum ein Freitextfeld keine gute Lösung ist

Viele Shops haben Garantieinformationen bereits heute irgendwo im Produkttext: „5 Jahre Herstellergarantie“ oder: „3 Jahre Garantie bei Registrierung“. Das ist aus Kundensicht hilfreich. Für automatisierte Prozesse ist es allerdings kaum nutzbar. Eine Software kann aus solchen Texten nicht zuverlässig ableiten:

  • Wer die Garantie gibt
  • ob sie kostenlos ist
  • ob sie das gesamte Produkt umfasst
  • wie lange sie gilt
  • ob besondere Bedingungen greifen
  • ob sie in jedem Markt identisch ist

Deshalb sollte die Einführung des GARAN-Labels zum Anlass genommen werden, Garantiedaten strukturiert statt redaktionell zu pflegen. Das hilft nicht nur bei GARAN. Strukturierte Garantiedaten können später ebenfalls für:

  • Produktfilter
  • Vergleichsfunktionen
  • Suchmaschinen
  • KI-gestützte Beratung
  • Kundenservice
  • Marktplatzfeeds
  • Produktdatenblätter

verwendet werden. Aus einer regulatorischen Pflicht entsteht damit im besten Fall sogar eine Verbesserung der Produktdatenbasis.

Shop, ERP oder PIM: Wo sollten Garantiedaten gepflegt werden?

Dafür gibt es keine pauschal richtige Antwort. Es hängt davon ab, wie die bestehende Systemlandschaft aufgebaut ist.

Variante 1: Garantiedaten direkt im Shop pflegen

Das kann sinnvoll sein bei:

  • kleinen Sortimenten
  • wenigen Marken
  • nur einem Vertriebskanal
  • keiner zentralen PIM-Lösung

Die benötigten Informationen werden als Produktattribute, Custom Fields oder Metafelder direkt im Shopsystem gepflegt.

Vorteil: schnell und pragmatisch.

Nachteil: Die Informationen stehen nur im Shop und müssen bei weiteren Kanälen möglicherweise doppelt gepflegt werden.

Variante 2: ERP als führendes System

Wenn Hersteller, Artikelstammdaten und Garantieinformationen bereits im ERP gepflegt werden, kann das ERP die zentrale Quelle sein. Die Daten werden anschließend über eine Schnittstelle an den Shop übertragen.

Das eignet sich vor allem, wenn:

  • Artikel zentral im ERP angelegt werden
  • mehrere Vertriebskanäle beliefert werden
  • Garantiedaten eher kaufmännische Stammdaten sind

Entscheidend ist dann, dass die Garantieinformationen strukturiert im ERP verfügbar sind. Ein PDF im Dokumentenmanagement hilft dem Shop wenig.

Variante 3: PIM als führendes System

Bei großen, internationalen Produktsortimenten ist ein PIM häufig der passendste Ort. Dort können neben Marke und Modell auch:

  • Garantiedauer
  • Dokumente
  • Länderinformationen
  • Übersetzungen
  • technische Merkmale

zentral verwaltet werden.

Das ist besonders sinnvoll, wenn dieselben Produktdaten an:

  • mehrere Shops
  • Marktplätze
  • Händlerportale
  • Produktkataloge
  • Apps

verteilt werden.

ECONSOR-Praxisregel

Pflegen Sie GARAN-Daten dort, wo auch die übrigen strukturierten Produktinformationen zuverlässig geführt werden.

Das Shopsystem sollte die Information möglichst verwenden, nicht zwangsläufig ihre primäre Quelle sein.

Produktdaten zentral strukturieren

Produktdaten zentral strukturieren

Unsere Experten entwickeln eine belastbare Datenbasis.

  • Benötigte Produktattribute technisch modellieren
  • Shop, ERP oder PIM als Datenquelle einbinden
  • Varianten und unterschiedliche Märkte abbilden

Hersteller mit eigenem Shop und Händler haben unterschiedliche Ausgangslagen

Auch organisatorisch gibt es einen wichtigen Unterschied.

Hersteller / D2C-Unternehmen

Der Hersteller kennt seine eigenen Garantiebedingungen. Das eigentliche Thema lautet daher: Wie werden die Informationen strukturiert und technisch im Shop ausgespielt? Hier lässt sich die Datenbasis meist relativ gut kontrollieren.

Händler mit Fremdmarken

Der Händler ist auf Informationen seiner Lieferanten und Hersteller angewiesen. Dann entstehen zusätzliche Fragen:

  • Werden Garantiedaten überhaupt geliefert?
  • In welchem Format?
  • Wie werden Änderungen übermittelt?
  • Sind Angaben pro Produkt oder Produktfamilie verfügbar?
  • Wer überprüft die Vollständigkeit?

Für Händler kann GARAN deshalb auch ein Thema des Lieferantendatenmanagements werden.

Was passiert bei Varianten?

Gerade bei komplexeren Sortimenten sollte die Garantie nicht vorschnell auf Produktebene modelliert werden.

Ein Beispiel:

  • Eine Produktserie besteht aus mehreren Varianten.
  • Für das Standardmodell gelten drei Jahre Herstellergarantie.
  • Für eine Professional-Variante gelten fünf Jahre.
  • Oder ein Hersteller gewährt in Deutschland fünf Jahre, in einem anderen Markt aber nur drei.

Dann reicht ein einziges Feld am Hauptprodukt möglicherweise nicht.

Das Datenmodell muss berücksichtigen, auf welcher Ebene sich Garantieinformationen unterscheiden können:

  • Produkt
  • Variante
  • Hersteller
  • Produktgruppe
  • Markt
  • Vertriebskanal

Diese Entscheidung sollte vor der Implementierung getroffen werden. Sonst entsteht nach wenigen Monaten das übliche Ergebnis: Ein Feld wurde ergänzt, anschließend wird es mit Sonderlogik, Ausnahmen und Redaktionshinweisen umstellt, bis niemand mehr weiß, wofür es ursprünglich gedacht war.

Mehrere Länder machen aus einem Produktdatum ein Governance-Thema

International agierende Shops sollten zusätzlich prüfen, ob Garantien tatsächlich EU-weit identisch angeboten werden. Mögliche Unterschiede können sich ergeben durch:

  • verschiedene Garantiebedingungen
  • unterschiedliche Vertriebsgesellschaften
  • abweichende Produktmodelle
  • unterschiedliche Herstellerzusagen
  • lokale Dokumente

Das GARAN-Label selbst ist zwar harmonisiert und wird sprachlich für den jeweiligen Markt bereitgestellt. Die zugrunde liegenden Produktinformationen müssen trotzdem korrekt sein. Damit sollte ein internationales Datenmodell mindestens unterscheiden können zwischen:

global gültigen Daten

und

marktspezifischen Angaben.

Shopware 6: Plugin oder eigene Datenlogik?

Für Shopware sind inzwischen spezielle Erweiterungen für EU-Gewährleistung und GARAN verfügbar. Typischerweise übernehmen solche Plugins:

  • Darstellung des Labels
  • Konfiguration der Garantiedauer
  • Hersteller-/Markenangaben
  • Modellinformationen
  • verschiedene Sprachen
  • Einbindung in Produktseiten

Bei kleineren und mittleren Shops kann das eine sehr vernünftige Lösung sein. Die entscheidende Frage lautet aber auch hier:

Woher kommen die Daten?

Wenn Garantiedaten bereits in einem PIM oder ERP geführt werden, sollte man sie nicht zusätzlich manuell im Plugin pflegen. Dann ist sinnvoller:

PIM / ERP
   ↓
Shopware Custom Fields
   ↓
GARAN-Erweiterung / Storefront

So bleibt das Plugin für das zuständig, was es gut kann: die Darstellung. Die Produktdaten bleiben dort, wo sie hingehören.

Magento / Adobe Commerce: GARAN als Teil des Produktdatenmodells

Bei Magento beziehungsweise Adobe Commerce würde ich das Thema in größeren Projekten stärker als Produktattribut- und Integrationsaufgabe betrachten.

Adobe Commerce eignet sich aufgrund seines flexiblen Produktdatenmodells gut dafür, beispielsweise folgende Attribute anzulegen:

manufacturer
model_identifier
guarantee_duration
guarantee_type
garan_required
guarantee_document

Diese Daten können anschließend aus einem ERP oder PIM importiert und im Frontend regelbasiert verwendet werden. Besonders relevant wird das bei:

  • großen Katalogen
  • internationalen Storeviews
  • mehreren Marken
  • B2B/B2C-Kombinationen
  • PIM-Integration
  • Headless-Frontends

Bei solchen Projekten würde ich eine isolierte Badge-Lösung eher skeptisch sehen. Die Kennzeichnung sollte Bestandteil des zentralen Produktdatenmodells werden.

Shopify: Apps erleichtern die Darstellung, aber nicht automatisch die Datenhaltung

Für Shopify sind inzwischen mehrere spezialisierte GARAN-Apps verfügbar. Einige Apps erlauben bereits:

  • GARAN als Theme-Block
  • Pflege von Marke, Modell und Garantiedauer
  • Bulk-Bearbeitung
  • automatische Sprachversionen
  • Ausnahmen nach Produkten oder Produktgruppen

Der Shopify App Store zeigt beispielsweise Lösungen, bei denen Garantiedauer, Marke und Modell pro Produkt gepflegt oder über Bulk-Funktionen mehreren Produkten zugewiesen werden können. Andere Apps verwenden Shopify-Metafelder zur strukturierten Verwaltung der Angaben. Das ist für kleinere Sortimente attraktiv.

Bei größeren Shopify-Projekten sollte trotzdem entschieden werden, ob Shopify wirklich das führende System für Garantiedaten sein soll. Falls bereits ein PIM vorhanden ist, können die Informationen beispielsweise über:

PIM → Shopify Metafields → GARAN App

übergeben werden. Dann bleibt auch hier die Datenhoheit sauber.


WooCommerce: Plugin prüfen, Datenmodell trotzdem mitdenken

Auch für WooCommerce entstehen Erweiterungen rund um den neuen EU-Gewährleistungshinweis und GARAN. Gerade hier sollte allerdings nicht nur geprüft werden, ob ein Plugin das Label anzeigen kann.

Wichtiger sind Fragen wie:

  • Wo werden Garantiedaten gespeichert?
  • Sind sie als strukturierte Produkt-Metadaten verfügbar?
  • Wie funktionieren Varianten?
  • Ist WPML oder eine andere Mehrsprachigkeitslösung im Einsatz?
  • Werden Daten aus einem ERP oder PIM synchronisiert?
  • Wie stabil ist die Erweiterung bei WooCommerce-Updates?

WooCommerce macht individuelle Produktfelder leicht möglich. Das ist praktisch, führt aber bei großen Projekten schnell zu einer bemerkenswerten Sammlung von Custom Fields, deren historische Entstehung später nur noch Archäologen nachvollziehen können. Deshalb sollte auch hier zuerst ein kleines Datenmodell definiert werden.

Welche Lösung passt zu welchem Shop?

AusgangslageSinnvoller Ansatz
50 Produkte, ein LandPlugin/App + Pflege im Shop
1.000 Produkte, wenige HerstellerShopfelder + Bulk-Pflege
20.000 Produkte, ERP vorhandenERP → Shop
großer internationaler Katalog mit PIMPIM → Shop / GARAN-Ausspielung
Marktplatz-/LieferantensortimentLieferantendaten normalisieren
Headless-CommerceGARAN-Logik über API / Frontend integrieren
GARAN im Shopsystem integrieren

GARAN im Shopsystem integrieren

Unsere Experten entwickeln die passende technische Lösung.

  • Plugin, App und individuelle Integration bewerten
  • Produktdaten aus PIM oder ERP anbinden
  • Ausspielung nach freigegebenen Vorgaben automatisieren

Warum „GARAN erforderlich: Ja/Nein“ allein nicht reicht

Es wäre technisch verlockend, einfach ein Checkbox-Feld anzulegen: GARAN anzeigen: Ja / Nein

Damit wäre die Sache scheinbar erledigt. Langfristig ist das allerdings eine schlechte Datenarchitektur. Denn niemand weiß mehr, warum das Label angezeigt wird.

Besser ist:

Herstellergarantie = ja
Garantieart = Haltbarkeitsgarantie
Garantiedauer = 5 Jahre
gesamte Ware = ja
        ↓
Systemregel
        ↓
GARAN erforderlich = ja

Damit ist die Entscheidung nachvollziehbar und kann bei geänderten Anforderungen neu berechnet werden. Die Regel sollte aus den Daten entstehen. Nicht die Daten aus der Regel.

Der größte Aufwand kann vor der Implementierung liegen

Bei vielen Shops wird die technische Einbindung des Labels selbst nicht der schwierigste Teil sein. Die aufwendigere Frage lautet: Sind die erforderlichen Produktinformationen überhaupt vorhanden?Ein sinnvoller GARAN-Check beginnt deshalb mit einer Datenanalyse.

Beispielsweise:

PrüffrageErgebnis
Hersteller vollständig gepflegt?98 %
Modellkennung vorhanden?82 %
Garantiedauer strukturiert?27 %
Garantiegeber bekannt?35 %
Garantiebedingungen verknüpft?18 %
GARAN-Produkte automatisch identifizierbar?Nein

Aus solchen Zahlen entsteht eine realistische Projektplanung. Ohne diese Analyse wird gern zuerst das Plugin installiert und anschließend festgestellt, dass niemand weiß, mit welchen Daten es gefüttert werden soll.

Technischen Aufwand frühzeitig klären

Technischen Aufwand frühzeitig klären

Unsere Experten schaffen Klarheit für Ihr GARAN-Projekt.

  • Datenbestand und technische Lücken analysieren
  • Abhängigkeiten und Umsetzungsschritte strukturieren
  • Integration, Tests und Rollout realistisch planen

Sieben Fragen, die Unternehmen jetzt beantworten sollten

1. Welche Produkte besitzen überhaupt eine relevante Herstellergarantie?

Nicht vom gesamten Sortiment ausgehen. Die Betroffenheit produktbezogen ermitteln.

2. Wo liegt die Garantiedauer?

Als strukturiertes Feld oder irgendwo im Produkttext?

3. Ist der Garantiegeber eindeutig?

Hersteller, Händler oder Dritter?

4. Sind Modellkennungen vollständig?

Gerade bei Fremdmarken und Varianten prüfen.

5. Gibt es unterschiedliche Angaben je Land?

Besonders wichtig bei internationalen Shops.

6. Welches System soll künftig führend sein?

Shop, ERP oder PIM?

7. Kann das Label automatisiert ausgespielt werden?

Bei einem Sortiment mit tausenden Artikeln sollte die Antwort unbedingt „ja“ lauten.

Wann reicht ein Plugin?

Ein Plugin reicht wahrscheinlich, wenn:

    • das Sortiment überschaubar ist
    • Garantiedaten bereits vollständig vorliegen
    • wenige Märkte existieren
    • keine komplexe PIM-/ERP-Landschaft vorhanden ist

Eine integrierte Lösung ist sinnvoller, wenn:

    • mehrere Tausend Produkte vorhanden sind
    • verschiedene Hersteller betroffen sind
    • Produktdaten aus ERP oder PIM stammen
    • mehrere Länder und Sprachen bedient werden
    • Varianten unterschiedliche Garantien besitzen

Entscheidend ist nicht die Größe des Labels, sondern die Komplexität der Daten dahinter.

GARAN kann ein sinnvoller Anlass für bessere Produktdaten sein

Regulatorische Anforderungen werden verständlicherweise selten mit Begeisterung aufgenommen. Beim GARAN-Label lohnt trotzdem ein etwas weiterer Blick. Wenn Garantiedauer, Hersteller, Modell und Garantiebedingungen künftig strukturiert gepflegt werden, entstehen daraus zusätzliche Möglichkeiten.

Ein Shop kann beispielsweise:

  • Produkte nach Garantie filtern
  • Garantien im Produktvergleich darstellen
  • Kundenservice automatisiert informieren
  • Daten an Marktplätze übergeben
  • KI-Beratung mit verlässlichen Produktinformationen versorgen
  • Produktbeschreibungen um konkrete Serviceinformationen ergänzen

Die regulatorische Pflicht erzwingt damit etwas, das für moderne Commerce-Plattformen ohnehin sinnvoll ist: saubere, strukturierte und maschinenlesbare Produktdaten.

„Das GARAN-Label sollte nicht als zusätzliches Bild auf einer Produktseite gedacht werden. Es sollte das sichtbare Ergebnis eines sauberen Produktdatenprozesses sein.“

Das ist der Unterschied zwischen einer kurzfristigen Compliance-Lösung und einer nachhaltig wartbaren Commerce-Architektur.

Was Shopbetreiber jetzt tun sollten

Bis zum 27. September 2026 sollte nicht nur geklärt sein, welches Label dargestellt werden muss. Unternehmen mit potenziell betroffenen Produkten sollten vorher vier Dinge erledigen:

1. Sortiment prüfen
Welche Hersteller und Produktgruppen bieten relevante Haltbarkeitsgarantien?

2. Datenbestand analysieren
Sind Hersteller, Modell und Garantiedauer strukturiert vorhanden?

3. Führendes System festlegen
Wer ist künftig für diese Informationen verantwortlich: ERP, PIM oder Shop?

4. Automatisierung umsetzen
Die Kennzeichnung sollte möglichst aus Produktdaten generiert und nicht einzeln redaktionell gepflegt werden.

Was ECONSOR dabei übernimmt

Wir ersetzen keine juristische Prüfung der Frage, ob eine konkrete Garantie die gesetzlichen Voraussetzungen für das GARAN-Label erfüllt. Wir lösen die Aufgabe, die unmittelbar danach entsteht.

Für Shopware, Magento / Adobe Commerce, Shopify und WooCommerce prüfen wir:

  • welche Garantiedaten bereits vorhanden sind
  • wo diese Daten heute geführt werden
  • welche Produktattribute fehlen
  • ob Shop, ERP oder PIM das führende System sein sollte
  • welche Plugin- oder App-Lösung sinnvoll ist
  • wann eine individuelle Integration besser passt
  • wie GARAN automatisiert und mehrsprachig ausgespielt werden kann
  • wie Varianten und unterschiedliche Märkte berücksichtigt werden

Gerade bei größeren Sortimenten sollte das Ziel nicht lauten:

„Wir bekommen das Label irgendwie in den Shop.“

Sondern:

„Unser Shop kann für jedes Produkt zuverlässig entscheiden, ob und mit welchen Daten GARAN angezeigt werden muss.“

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt unsere praktische und technische Einordnung der zum Veröffentlichungszeitpunkt bekannten Anforderungen und stellt keine Rechtsberatung dar. Ob eine konkrete Garantie die rechtlichen Voraussetzungen des GARAN-Labels erfüllt, sollte im Einzelfall rechtlich geprüft werden.

GARAN- und Produktdaten-Check

Sind Ihre Produktdaten auf GARAN vorbereitet?

Wir prüfen Sortiment, Datenmodell und Shopsystem und zeigen, welcher technische Umsetzungsweg für Ihre Commerce-Plattform sinnvoll ist.

Sebastian Kübler

Ihr Ansprechpartner

Sebastian Kübler

Tel.: 0711 / 252 800 80

E-Mail: s.kuebler[at]econsor.de

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