Blogbeitrag über Vero

Vero oder #DeleteVero

Angesagt oder schon wieder abgesagt?

Vero ist gerade DER Hype. Innerhalb kürzester Zeit ist die Social-Media-App auf Platz eins der Apps für Android und iOS in den USA, Deutschland und Großbritannien, obwohl sie schon zwei Jahre im Internet vor sich hin dümpelte. Man geht stark davon aus, dass dies bezahlten Influencern (z. B. Christian Collins, kanadischer Musiker) zu verdanken ist, die die App innerhalb kürzester Zeit nach oben schießen ließen. Und man versprach den ersten Millionen Followern ein lebenslanges kostenloses Abo. FOMO” heißt dieser Marketinghype, „Fear of missing out”, also die Angst, etwas zu versäumen und nicht dabei zu sein.

Kritik am CEO von VERO wird laut

Der Gründer Ayman Hariri ist der Sohn des ehemaligen ermordeten libanesischen Ministerpräsidenten Rafic Hariri, der einst laut werden ließ, dass die ständige Werbung auf anderen sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram ihn belästige. Doch jetzt ist die Rede von Korruption und Ausbeutung, was  dem Social-Media-Kanal wieder die Luft abdrehen könnte.

„Nun, Vero hat Spaß gemacht, bis ich realisiert habe, dass ihr CEO 9000 Philippiner, die für seine frühere Baufirma arbeiteten, nicht bezahlt und sie damit quasi obdachlos gemacht hat, sodass sie auf Spenden angewiesen waren. peace“.

– Twitterte Tyler Hansen unter dem Hashtag #DeleteVero

 App mit Potenzial

Eigentlich ist die Idee, die hinter dem Ganzen steht nicht schlecht. Das Design, die Funktionen und die generelle Philosophie sind durchaus akzeptabel. Auch wäre es an der Zeit, der Vorherrschaft von Facebook, Instagram und Twitter etwas entgegen zu setzten. Der letzte erfolgreiche Konkurrent kam mit Snapchat von 5 Jahren.

Die Idee war eine eigene soziale Plattform – ganz ohne Werbung. Es gäbe keine Werbebanner, keine gesponserten Beiträge und keine Algorithmen, die den Newsfeed filtern. Das Netzwerk soll lediglich Beiträge von Nutzern in chronologischer Reihenfolge anzeigen und so ein heimisches und verbundenes Gefühl erzeugen. Vero (Lateinisch für „wahr“) weist darauf hin, worum es geht. Es wird versprochen: „Keine Werbung, keine durcheinandergewürfelte Timeline, kein Datensammeln.“ Genau das, was bei Facebook und Konzerntochter Instagram verärgert.

Große Leistungsfähigkeit im Influencer Marketing

Werbung im herkömmlichen Sinne ist auf Vero also ausgestorben, aber Werbung im Bereich Influencer Marketing ist dadurch eine eventuell noch viel erfolgreichere Variante. Da die Zielgruppe auf der sozialen Plattform überwiegend der Generation Z entspricht – also junge Erwachsene ab dem Jahrgang 1995 – kann man hier als Influencer sehr gut eine Zielgruppe erreichen, die sich eigentlich von jeglicher Werbung lösen will und gelöst hat. Das bedeutet: Eine Zielgruppe, die nahezu unantastbar scheint. Hier kommt also der Mehrwert ins Spiel. Ein Unternehmen oder eine Person des öffentlichen Lebens, welche viele Follower auf Vero bekommt, hat automatisch einen großen Einfluss auf diese Zielgruppe. Diese wird somit persönlich angesprochen und ist eher dazu gewillt, eins der beworbenen Produkte doch zu kaufen.

Die Kehrseite von Vero

Sind wir ehrlich: Vero ist nicht das erste neue Social Network, das gehypt wird. Wir erinnern uns an ähnliche Social Networks, wie etwa Path oder Ello. Diese verschwanden genauso schnell wieder in der Versenkung, wie sie am Himmel erschienen sind. Das Magazin Forbes warnt Unternehmen davor, sich auf Vero zu sehr einzulassen. Der Grund: Facebook und Google könnten durch Marktmacht Vero jederzeit „zerquetschen“. Es bezeichnet ein zu großes Engagement als Zeitverschwendung. Das gilt nicht für den Privatnutzer, aber man sollte sich im Klaren sein, dass Vero nur von kurzer Dauer sein könnte. Man muss überlegen, wie viel Zeit man für ein Profil investiert.

Und: Trotz der Versicherung die Daten sicherzustellen, ist für die Anmeldung die Eingabe der Mobilfunknummer verlangt – angeblich aus Sicherheitsgründen. Viele Interessenten twittern: „Die wollen meine Handynummer, ich bin raus.“

Und auch: Server von Vero stehen in England. Was passiert nach dem Brexit und damit mit den Servern außerhalb der EU? Hiermit gelten vielleicht die europäische Rechtsprechung und europäische Datenschutzregeln für Vero nicht mehr.

Was bringt die Zukunft von Vero?

Wie lange das kostenlose Angebot anhalten, oder ob Vero generell Mitgliedschaftsbeiträge verlangen wird, ist noch unklar. Es ist jedoch nicht abzustreiten, dass diese Unklarheit noch zur Popularität beiträgt wie der Fakt, dass es keine Werbung enthält. Etwas, das es nur auf begrenzte Zeit gibt, ist oft beliebt. Prominente und Influencer, die dem Social Network ebenfalls beigetreten sind und denen man folgen möchte, ohne dabei von nerviger Werbung bombardiert zu werden, stehen auch für eine erst einmal anhaltende Beliebtheit. Nutzerbeiträge stehen hier an der Tagesordnung – und diese kriegt man auch.

Trotzdem sind 3 Millionen Nutzer noch zu wenig. Aber wo sind die ganzen Nutzer? Kommen sie noch? Wird das Eintragen der Handynummer doch als problematischer gesehen als von den Machern erwartet? Und ist das Anpreisen von Produkten durch Influencer wirklich Werbung, da die Nutzer selbst entscheiden, ob sie den Influencer in ihrem Feed haben wollen. Entweder man folgt ihm wegen seiner Inhalte, oder man folgt ihm eben nicht.

Es bleibt abzuwarten. Man sollte aber nicht zu viele Hoffnungen als Unternehmen in einen Feed bei Vero setzen.

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