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Themenwoche 7 Tage - 1 Thema E-Commerce
Dieser Artikel ist Nummer 1 von 7 im Special "E-Commerce"

Von der Unmöglichkeit einer Neuausrichtung mit angezogener Handbremse

Immer noch fragen sich tatsächlich viele Händler, was jetzt digital eigentlich genau zu tun ist. Und wir beobachten, dass die nötige Radikalität in den Entscheidungen oft ausbleibt. Bei vielen KMU fehlt der Hintergrund und das Bewusstsein, wie sich der Markt gerade transformiert und wo hier die eigene Positionierung Sinn ergibt.

Noch dazu bremsen fehlende Risikobereitschaft und zögerliches Investieren die digitalen Prozesse in den Handelsunternehmen. Klar ist, dass ein Beschluss des Managements, die Digitalisierung jetzt in aller Konsequenz voranzutreiben, eine Stange Geld kostet. Innerhalb der Unternehmensstruktur bedeutet das für Management und Mitarbeiter, dass auch die eine oder andere Komfortzone verschwinden muss sowie auch eingefahrene Hierarchien sich auflösen.

Erhöhung des Leistungsvermögens

Wer auf dem digitalen E-Commerce Markt zu zögerlich ist, wird gegen Amazon & Co. keinen Blumentopf gewinnen. Digitalisierung in Unternehmen muss oft einen disruptiven Charakter annehmen, da es eben oft auf eine radikale Erneuerung hinausläuft. Doch genau das unterschätzen viele Unternehmen und in diesem Zuge halten sich auch viele Mythen im E-Commerce.

Nur überragender Service am Kunden und genaues Verstehen der Kundenwünsche kann langfristig Erfolg gewährleisten. Tut ihr es nicht, so wird es der Kunde tun!

Jeff Bezos, Amazon

Mythos 1: E-Commerce lohnt sich nicht

Der Markt ist begrenzt, jetzt ist der Zug abgefahren, E-Commerce lohnt sich nicht mehr – diese Einstellung ist 2019 nicht mehr haltbar und weist für die Befürworter solcher Theorien auf Umsatzverlust hin. Im schlimmsten Fall kann das Ihre Existenz kosten. Es ist eindeutig, dass der Kunde die Digitalisierung möchte und vorantreibt. Auch Pure Plays sind mittlerweile erfolgreicher als so mancher Offline-Anbieter.    

Mythos 2: Fokus auf den Lead Channel

Viele stationäre Händler legen immer noch Ihre absolute Priorität auf ihren analogen Absatz. Hier kann man nur sagen, dass wahrscheinlich die Hoffnung zuletzt stirbt, denn das alleinige Festhalten am stationären Geschäft ist gegen die Erwartungen der Kunden, die den E-Commerce zweistellig wachsen lassen. Studien prognostizieren bis 2020 in Europa, dass mehr als die Hälfte aller Einzelhandelsumsätze inklusive Lebensmittel einen Online-Bezug haben.

Mythos 3: Systeminvestitionen müssen nicht sein

Hier gilt es zu erkennen, dass Händler online und eingebunden in eine digitale Strategie ohne Systeminvestitionen nicht weiter kommen. Und die Investitionen sind nicht zu knapp anzusetzen, denn Ihre Kunden werden immer anspruchsvoller. Sie erwarten, alles in kürzester Zeit zu bestellen, aber auch geliefert zu bekommen. Das verlangt nach einer funktionierenden IT und einem Logistikzentrum mit automatisierten Bestellvorgängen. Amazon implementiert hierfür schon erste Roboter.   

Mythos 4: Sortimentsbegrenzung

Der aktuelle Kunde erwartet, dass er online alle Produkte, die es auch offline gibt, bestellen kann, eher sogar noch eine erweiterte Angebotspalette. Er möchte alle Produkte aus der jeweiligen Branche schnell und einfach abrufen und bestellen können. Hier sind die sogenannten Category Killer on Top. Also Einzelhändler, die sich auf ein breit gefächertes Produktsortiment innerhalb einer ausgesuchten Kategorie spezialisiert haben und sich durch Auswahl, Preispolitik und Marktbearbeitung einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern verschafft.

Mythos 5: Funktionale Organisation genügt

Es ist seit mehreren Jahren kein Geheimnis mehr, dass traditionell funktionale Organisationsformen nicht ausreichen, um die Forderungen der Digitalisierung zu erfüllen. Zeitgemäßes Business Reengeneering mit dem Zenit auf dem Kunden verlangt nach kurzen Zeiten zur Budgetgenehmigung und muss das gesamte System Ihres Unternehmens durchlaufen. Und eine komplette Ausrichtung auf den Kunden verlangt nach minimierter Schnittstellenzahl, flachen Hierarchien und ist mit bisherigen Organisationsformen nicht mehr zu stemmen.

Mythos 6: Die harmonische Disruption

Bei vielen Unternehmern herrscht die Angst vor, den Betrieb durch die Digitalisierung aufzumischen und innerbetriebliche Konflikte zu produzieren. Doch lassen Sie sich gesagt sein, dass hier Kompromisse fehl am Platz sind und nicht den gewünschten Erfolg versprechen können. Auch bei einem Händlerverbund sind schwammige Lösungen aus Rücksicht nicht zielführend. Man muss sich hier öffnen, auch konservative Händler, gerade, wenn sie im Verbund agieren. 

Mythos 7: Falle Outsourcing

Mittlerweile ist es nicht mehr zu leugnen, dass ein gewisser Teil des Unternehmens in jedem Fall auf Insourcing aufgebaut sein muss. Ihr stationäres Geschäft würden Sie auch an niemanden weitergeben, mit einem Online-Shop geschieht dies aber immer öfter. Hier sollten Sie aber ein Hauptaugenmerk darauf legen, Ihre digitalen Kompetenzen online schnellstmöglich aufzubauen und alle Funktionalitäten professionell aufzubauen.

Mythos 8: Wachstum geht nur online

Natürlich können Sie mit einem reinen Online-Shop (Pure Play) Wachstum generieren. Gerade hier ist dies tatsächlich möglich. Doch geht es tatsächlich bei den Händlern, die eben stationär agieren, vor allem um die Sicherung der Existenz und dem Aufhalten des Verfalls von Umsatz. Hier gilt es, sich neu zu erfinden und man darf sich nicht scheuen, sich hier professionelle Hilfe zu holen. Hier muss man eine punktgenaue Strategie für die Digitalisierung erstellen, die dem stationären Handel Stabilität bietet. 

Mythos 9: Hauptsache online… 

Mit einem reinen Online-Auftritt sind Sie wesentlich mehr in einem Handlungszwang als es bei Ihrem stationären Geschäft der Fall ist. Ihren E-Commerce müssen Sie permanent optimieren. Sie müssen sich sukzessive an den neuen Standards orientieren, sei es der Google-Algorithmus oder auch das veränderte Verhalten Ihrer Nutzer. Und vergessen Sie nie, dass mobiles Einkaufen steigend ist. Tatsächlich sind noch immer die Hälfte aller Online-Shops nicht mobil optimiert.

Mythos 10: Digitalisiert – Fertig!

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen die Digitalisierung erfolgreich gemeistert haben, erst einmal Glückwunsch! Doch Sie sind noch nicht erlöst, glauben Sie das bitte nicht. Jetzt gehen die Herausforderungen in die nächste Runde. Die Kundenerwartungen steigen und steigen – off- wie online. Das schafft wiederum neue Herausforderungen für die Sicherheit der Kundendaten. Immer senden noch über 40 Prozent der Nutzer immer noch Wichtiges lieber per Post. Auch kaufen aus diesen Gründen immer noch ca. 25 Prozent nicht online. das sagt uns wiederum, dass Vertrauen zu einem immer wichtigeren Faktor wird. Hier zeigen Sie sich nur glaubwürdig, wenn in Ihrem Unternehmen alle, und vor allem die Geschäftsleitung, den Fokus auf den Kunden leben.  

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