Blogbeitrag Variable Fonts

Variable Fonts — die Zukunft der Typografie im Web?

Schriftschnitte limitieren die Gestaltungsmöglichkeiten!

Kennen Sie das Problem, wenn Sie eine Schriftfamilie für Ihr Grafik- oder Webdesign aussuchen möchten und Ihre gewünschte Schriftart zu wenig Schriftschnitte besitzt? Die Mediengestalter in unserer Agentur treffen häufig auf ein solches Hindernis. Bei wenigen Schriftschnitten hat man oft nicht die benötigte Flexibilität, um das volle Potenzial aus einem Webdesign herauszuholen. Dabei gab es bereits in den 1990er Jahren Überlegungen, wie man flexiblere Schriftsysteme entwickeln kann. Erst jetzt, über 20 Jahre später, gibt es – nach der Einführung der Webfonts vor ein paar Jahren – einen weiteren Durchbruch in der Typografie im Internet zu verzeichnen. Die so genannten “Variable Fonts” könnten das Problem in Zukunft lösen.

Was sind “Variable Fonts”?

Ein “Variable Font” besteht aus einer einzigen (OpenType Version 1.8) Schriftdatei, die sich wie mehrere Schriftdateien verhält. Die im neuen Dateiformat enthaltene Technologie namens “OpenType Font Variations” ermöglicht es Schriftgestaltern, eine Schriftfamilie mit bis zu 64.000 Abstufungen in Schriftstärke, -breite und Schriftlage zu versehen. Anpassungen wie verschieden starke Anstriche, die Ausprägung der Serifen, das Hinzufügen von zusätzlichen grafischen Elementen und vieles mehr können jetzt über einfache Schieberegler vorgenommen werden. Dadurch entsteht ein OpenType Font, den der Mediengestalter stufenlos an sein Web- oder Grafikdesign anpassen kann. Das revolutionäre daran ist, dass man nicht mehr an festgelegte Schriftschnitte gebunden und somit völlig frei in der Gestaltung ist.

Durch die Komprimierung verschiedener Schriftschnitte in ein kompaktes Dateiformat kann die Dateigröße und somit die Ladezeit der Schriften im Web reduziert werden. Das führt zu einer verbesserten Webseiten-Performance. Im Gegensatz zu den Überlegungen in den 1990er Jahren wurde das OpenType Schriftformat der Version 1.8 von führenden Internetkonzernen wie Apple, Google, Adobe und Microsoft gemeinsam entwickelt. Es zeichnet sich daher durch eine plattformübergreifende Kompatibilität aus. Neben den vielen Vorteilen, die das neue Schriftformat mit sich bringt, müssen noch einige Hürden überwunden werden, damit es flächendeckend eingesetzt werden kann.

Abb.: Flexibilität der Variable Fonts, Quelle

Technische Hürden für Variable Fonts

Wie sieht also die Zukunft der Variable Fonts aus? Wenn es nach den großen Softwarekonzernen geht, die die neue Technologie entwickelt haben, soll OpenType Version 1.8 so schnell wie möglich zum neuen Typografie-Standard im Web werden. Es gibt jedoch einige fundamentale Probleme, die Variable Fonts aktuell noch mit sich bringen. Zuallererst müssen flächendeckend Rendering Engines entwickelt und in den Betriebssystemen integriert werden, die das neue Format korrekt darstellen können. Weiterführend müssen die Variable Fonts mit all ihren Formatierungsmöglichkeiten sinnvoll in den CSS-Code integriert werden können, um zum neuen Webstandard zu werden. Aktuell gibt es zudem nur eine Handvoll Schriftfamilien, die OpenType 1.8 unterstützen, folglich müssen noch viele neue Schriftarten erstellt werden. Laut den Entwicklern gibt es hilfreiche Tools, mit denen bisherige Schriftfamilien mit relativ wenig Aufwand in Variable Fonts konvertiert werden können.

Die Zukunft des neuen Schriftformates

Wie gestaltet man mit Variable Fonts? Es muss eine einheitliche Fachsprache entwickelt werden, da die hohe Flexibilität des Formates neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Nur mit klar definierten Begrifflichkeiten kann die Kommunikation der Mediengestalter untereinander reibungslos funktionieren. Auch ist unklar, wie eine Variable Font lizenziert wird. Soll sie so viel kosten wie bisher eine ganze Schriftfamilie inklusive aller Schriftschnitte oder günstiger sein? Die Kostenfrage ist entscheidend für den flächendeckenden Gebrauch. Die Entwickler von OpenType Version 1.8 arbeiten intensiv daran, alle genannten Hürden zu überwinden. Ob sich Variable Fonts jedoch flächendeckend durchsetzen werden können, ist zum aktuellen Zeitpunkt unklar.

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