Typische Schwachstellen im Mittelstand – und wie man sie vermeidet
Viele Shopware-Shops im Mittelstand laufen auf den ersten Blick stabil. Bestellungen kommen rein, der Umsatz stimmt, der Shop ist „online“. Doch ein Blick unter die Haube zeigt in Shopware-Audits immer wieder ein anderes Bild.
Jedes Jahr führen wir bei ECONSOR eine Vielzahl von Shopware-Audits durch – bei Bestandskunden ebenso wie bei Unternehmen, die kurz vor einer Zusammenarbeit stehen. Das Ergebnis: Wiederkehrende technische Muster, die langfristig Performance, Sicherheit und Updatefähigkeit gefährden.
Hasan Dogan, Unit Manager Shopware bei ECONSOR, hat im Interview mit Sebastian Kübler, Geschäftsführer von ECONSOR, die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:
Warum entstehen Shopware-Audits überhaupt?
Shopware-Audits entstehen bei ECONSOR typischerweise in zwei Situationen:
- Bei bestehenden Projekten, um auch im Rahmen der Regelbetreuung eines Shopware-Systems oder nach längerer Entwicklungszeit den Status quo zu bewerten:
- Haben Optimierungen gegriffen?
- Ist das System noch stabil und updatefähig?
- Gibt es versteckte technische Risiken?
- Bei neuen Projekten oder Agenturwechseln, um den tatsächlichen Zustand eines Shops zu verstehen:
- Wie sauber ist die technische Basis?
- Wo bestehen akute Handlungsbedarfe?
- Welche Empfehlungen lassen sich strategisch ableiten?
Dieser Mix aus neuen, gewachsenen und sehr unterschiedlichen Shopware-Installationen macht Audits besonders aussagekräftig.
Die 5 häufigsten Findings aus Shopware-Audits
1. Unterschätzte Server- und Systemkonfigurationen
Einer der häufigsten – und gleichzeitig kritischsten – Punkte: Falsch oder unzureichend konfigurierte Server-Einstellungen.
Typische Beispiele:
- PHP-Einstellungen nicht auf Shopware abgestimmt
- Zu niedrige Memory Limits
- Begrenzter Speicherplatz
- Fehlende Optimierung für Lastspitzen
Das Ergebnis:
Performanceprobleme, instabile Prozesse und vermeidbare Fehler – oft ohne, dass Shopbetreiber diese direkt bemerken. Shopware-Performance beginnt nicht im Code, sondern auf dem Server.
2. Ignorierte JavaScript-Fehler
In fast jedem Audit finden sich JavaScript-Fehler im Frontend. Viele Shopbetreiber ignorieren diese, solange der Checkout funktioniert.
Das Problem:
- JS-Fehler wirken oft indirekt
- Sie erschweren spätere Fehleranalysen massiv
- Sie entstehen häufig durch Plugins oder individuelle Anpassungen
Im Ernstfall führt das zu stundenlangen Debugging-Prozessen – obwohl die Ursache von Anfang an sichtbar gewesen wäre. Was heute harmlos wirkt, wird morgen teuer.
3. Veraltete Shopware-Versionen & fehlende Updates
Ein Dauerbrenner in Audits: Shopware-Installationen, die nicht auf dem aktuellen Stand sind.
Die Gründe sind meist:
- Angst vor Updates
- Sorge, ein „stabiles System kaputtzumachen“
- Fehlende Vorbereitung
Das Risiko:
- Fehlender Support
- Keine Sicherheitsupdates
- Wachsende technische Schulden
Besonders kritisch wird es, wenn Systeme oder Plugins nicht mehr sicherheitsrelevant gepflegt werden. Ein nicht aktualisierter Shop ist kein stabiler Shop – sondern ein Risiko.
4. Überladene und veraltete Plugin-Landschaften
Viele Shopware-Shops leiden unter einer zu großen Plugin-Dichte:
- Plugins, die nicht mehr benötigt werden
- Deinstallierte Plugins, die technisch noch vorhanden sind
- Drittanbieter-Plugins für Funktionen, die Shopware längst standardmäßig bietet
Folgen:
- Update-Blockaden
- Sicherheitslücken
- Performanceverluste
- Unnötige Kosten
Weniger Plugins bedeuten mehr Kontrolle, Stabilität und Updatefähigkeit.
5. Sicherheit wird zu spät priorisiert
Ein besonders kritisches Finding:
Fehlende oder nicht gepflegte Sicherheitsmechanismen.
Dazu zählen u. a.:
- Kein dediziertes Sicherheitsplugin
- Fehlende regelmäßige Sicherheitsupdates
- Unklare Verantwortlichkeiten
In Audits ist das fast immer eine Priorität-1-Empfehlung. Sicherheit ist kein Add-on – sie ist Grundlage für jedes E-Commerce-System.
Warum werden Updates so oft aufgeschoben?
Die häufigste Antwort aus der Praxis: Angst.
Angst davor, dass:
- ein Update Fehler auslöst
- der Shop temporär nicht erreichbar ist
- bestehende Probleme sichtbar werden
Die Realität:
Updates machen selten Probleme – sie decken bestehende Probleme auf.
Mit sauberer Vorbereitung, klarer Analyse und strukturierter Vorgehensweise lassen sich Updates planbar, sicher und effizient umsetzen.
Die wichtigste Empfehlung aus allen Audits
Prävention ist günstiger als Reparatur.
Ein stabiler Shopware-Shop entsteht durch:
- saubere technische Basis
- regelmäßige Updates
- überschaubare Plugin-Landschaften
- klare Systemverantwortung
Das spart langfristig Kosten, Zeit und Nerven – und sorgt für echte Investitionssicherheit.
Die Haupt-Erkenntnis: Stabilität ist kein Zufall
Shopware ist ein leistungsstarkes System – aber nur dann, wenn es strategisch, technisch sauber und kontinuierlich gepflegt wird. Ein Audit schafft Klarheit:
- über Risiken
- über Optimierungspotenziale
- über den tatsächlichen Zustand des Systems
Und genau diese Klarheit ist die Basis für nachhaltigen E-Commerce-Erfolg.
