Sind hier jetzt alle Online-Händler betroffen?

Das Oberlandesgericht (OLG) München hat am 31.01.2019, unter dem Az. 29 U 1582/18 ein Urteil gefällt, das für den gesamten Online-Handel und alle Online-Shops weitreichende Folgen haben kann, nachdem der Shopriese Amazon von der Wettbewerbszentrale verklagt wurde. Künftig muss Amazon seinen Check-Out so umgestalten, dass man alle gesetzlich vorgeschriebenen Informationen noch auf der Bestellseite sieht. Nur einen Teil der Kaufinformationen preiszugeben und die Details einfach zu verlinken reicht nicht mehr.

Amazon muss seine Bestellseite ändern:

Im Klartext heißt das, dass Amazon seine Bestellseite so einrichten muss, dass der Kunde in Zukunft nochmals unmittelbar vor dem Klick auf den Kauf-Button nochmals die kompletten Produktinformationen erhält. Genau deshalb ist Amazon verklagt worden, denn folgendes fordert der Streitfaktor nach BGB § 312j Absatz 2: „…der Unternehmer dem Verbraucher gewisse gesetzlich vorgeschriebene Informationen unmittelbar bevor der Verbraucher seine Bestellung abgibt, klar und verständlich in hervorgehobener Weise zur Verfügung stellen muss…”. Amazon ging bei seinem Einspruch von einer Online-Bestellzeit von wenigen Minuten aus, in der dem Kunden diese Informationen noch präsent sein müssten.

Was muss im E-Commerce angepasst werden?

Bis dato erhielt der Kunde nur noch einmal den Namen, den Preis und ein kleines Bild der Ware, für die Details musste er auf die Verlinkung. Das wird nun zukünftig nicht mehr genügen: Gewicht, Material, der Gesamtpreis inklusive der Versandkosten und allen Informationen rund um die Kaufbedingungen. Doch wer hält sich im Online-Handel daran?

Was kann das für Händler bedeuten?

Es kann dazu führen, dass Online-Händler Ihren Shop eingehend überprüfen müssen. Denn noch nicht viele werden diese Anforderung der Wettbewerbszentrale erfüllen. Dem Kunden muss man direkt vor Kaufabschluss nochmals alle Informationen über das Produkt offenlegen. Nur so kann der Kunde, durch das OLG München nun bestätigt, vor einer überhasteten und falsch eingeschätzten Kaufentscheidung bewahrt werden.   

Die Folgen:

Amazon muss dem Kunden vor Kauf die kompletten Produktinformationen zukommen lassen. Das verlangt nach einer Umstrukturierung. Online-Händler sollten generell nach dieser Entscheidung des OLG München ihre Shops prüfen und ggf. dahingehend ändern, um einer Abmahn-Gefahr zu entgehen.

Die aktuelle Situation:

Der Volltext des Urteils ist noch nicht veröffentlicht. Es ist noch unklar, wie weit man bei der Revision ist. Falls das Urteil des OLG München nicht rechtskräftig wird, muss letztinstanzlich der Bundesgerichtshof entscheiden.

Wir bedenken:

  • Was gehört unabdingbar zu den wesentlichen Eigenschaften eines Produkts?
  • Was passiert, wenn der Kunde viele Artikel kauft und die Forderung nach einer Übersichtlichkeit nicht mehr eingehalten werden kann?

Hier wird es interessant werden, ob und wie  Amazon dann das Urteil umsetzt und ob dies dann so im Sinne des Gesetzgebers ist.  
Auf jeden Fall bleiben wir informiert und werden unseren Shop-Kunden umgehend eine Ergänzung empfehlen, wenn das Urteil die letzte Instanz durchlaufen hat. 

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