Erfolgreiche Relaunches beginnen mit Struktur – nicht mit Farben
Viele Website-Relaunches starten mit der falschen Frage.
Nicht selten lautet sie: „Wie soll die neue Website aussehen?“
Die entscheidendere Frage wäre jedoch:
„Wie sollen Nutzer sich orientieren, entscheiden und handeln?“
Denn ein überzeugendes Design ist kein Selbstzweck. Es ist das sichtbare Ergebnis eines sauberen UX-Konzepts. Wer diesen Zusammenhang ignoriert, riskiert genau das, was man bei vielen Relaunches sieht: optisch modern, strukturell schwach, strategisch wirkungslos.
1. Informationsarchitektur & Wireframes
Struktur sichtbar machen, bevor gestaltet wird
Der erste und entscheidende Schritt in jedem erfolgreichen UX-Konzept ist nicht Design, sondern Struktur. In dieser Phase geht es darum, Inhalte, Prioritäten und Nutzerlogiken so zu ordnen, dass Orientierung überhaupt möglich wird. Gestaltung ohne diese Grundlage ist reine Kosmetik. Auf Basis der Informationsarchitektur entstehen:
- eine konsistente Sitemap, die Inhalte sinnvoll gruppiert
- klare Navigationslogiken, die Nutzer intuitiv führen
- Wireframes zentraler Seitentypen (konsequent Mobile First gedacht)
- definierte Module und Interaktionen, die wiederkehrende Muster festlegen
Wireframes sind dabei kein Selbstzweck. Sie sind ein Arbeitswerkzeug, um Diskussionen zu versachlichen.
- Nicht mehr: „Gefällt mir / gefällt mir nicht“
- Sondern: „Funktioniert das für den Nutzer? Findet er, was er sucht? Versteht er, was er tun soll?“
Gerade bei komplexen Websites machen Wireframes Entscheidungen objektiv und belastbar – lange bevor Design, Technik oder Budget eine Rolle spielen.
Informationsarchitektur und Wireframes stellen sicher, dass Nutzer an den richtigen Stellen abgeholt werden – und nicht unterwegs abspringen.
Sebastian Kübler – Geschäftsführer ECONSOR
In der Praxis hat sich gezeigt, dass eine initiale Workshop-Phase entscheidend ist, um Informationsarchitektur und Wireframes sinnvoll aufzusetzen. Typische Ziele eines solchen Workshops:
Der sinnvolle Einstieg: ein gemeinsamer UX-Workshop
- gemeinsames Verständnis über Zielgruppen und Use Cases
- Priorisierung von Inhalten und Funktionen
- Klärung der Navigationslogik
- Definition zentraler Seitentypen
Ein guter Workshop ersetzt keine Konzeption – aber er verhindert, dass Konzeption auf Annahmen basiert, die intern nie abgestimmt wurden.
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Interaction Design
Interaction Design sitzt zwischen Informationsarchitektur und dem daran anschließenden Schritt des „Visual Designs“ – in der Praxis meist mit IA & Wireframes erarbeitet. Informationsarchitektur klärt was wo ist – Interaction Design klärt wie Nutzer sich darin bewegen:
- Buttons und interakive Elemente
- User Flows
- Entscheidungsstrecken
- Filter
- Suche oder Finder
- …
sind Teil dieser strukturellen Phase, nicht Teil des Designs.

2. Visual Design
Gestaltung als Ableitung, nicht als Startpunkt
Erst auf Basis einer geklärten Struktur beginnt das eigentliche Visual Design. Jetzt geht es darum, Inhalte und Logiken visuell zu übersetzen:
- visuelle Hierarchie und Gewichtung
- Typografie als zentrales Gestaltungselement
- emotionale Ansprache
- konsistente Markenübersetzung
Gutes Visual Design verstärkt die zugrunde liegende Struktur. Es macht Wichtiges sichtbar, reduziert Komplexität und schafft Vertrauen. Schlechtes Design hingegen versucht, strukturelle Schwächen zu kaschieren. Das funktioniert kurzfristig – und fällt spätestens bei der Nutzung auseinander.
Arbeits- und Übergabewerkzeug für die Zusammenarbeit in digitalen Projekten
In modernen UX-Prozessen werden Konzeption, Wireframes und Visual Design heute häufig in Tools wie Figma erarbeitet. Nicht wegen des Tools selbst – sondern wegen der Vorteile:
- eine zentrale Arbeitsgrundlage für alle Beteiligten
- nachvollziehbare Entscheidungen und Versionierung
- klare Übergabe an Entwicklung
- langfristige Weiterverwendung (z. B. als Designsystem)
Ein UX-Konzept entfaltet seinen Wert nicht nur im Moment der Abnahme, sondern dann, wenn es weitergetragen und genutzt werden kann.

3. Designsystem
Nachhaltigkeit sichern
Spätestens an diesem Punkt zeigt sich, ob ein UX-Konzept zukunftsfähig ist. Gerade Organisationen ohne eigenes IT- oder Designteam profitieren massiv von einem klar definierten Designsystem:
- wiederverwendbare Module statt Einzellösungen
- definierte Gestaltungsregeln statt implizitem Wissen
- konsistente Pflege über viele Redakteure hinweg
- skalierbare Weiterentwicklung, ohne jedes Mal neu zu denken
Ein Designsystem übersetzt UX und Design in eine dauerhaft nutzbare Struktur. Ohne Designsystem bleibt ein UX-Konzept oft ein Einwegprodukt – gut zum Launch, schwierig im Betrieb.
Die Chronologie ist damit klar:
- Struktur klären (IA & Wireframes)
- Nutzerlogik absichern (Interaction Design)
- Gestaltung ableiten (Visual Design)
- Nachhaltigkeit schaffen (Designsystem)
Oder in einem Satz, der im Artikel stehen darf: Gute UX entsteht nicht durch Design am Anfang, sondern durch Struktur, Klarheit und konsequente Ableitung

