Blogbeitrag Facebook Datenskandal

Facebook – Datenskandal: Was passiert aktuell?

Dieser Artikel ist Nummer 2 von 8 im Special "Datenschutzgrundverordnung 2018"

Alles nur aus Zucker?

Kostenfreie Plattformen scheinen es anhand des jüngsten Daten-Skandals bei Facebook aufzuzeigen: Man bezahlt hier doch und zwar mit seinen Daten.

Kurz zum Hintergrund: Facebook wird vorgeworfen, nach der Präsidentschaftswahl 2016 nichts gegen die vermutete russische Wahlbeeinflussung unternommen zu haben. Die britische Firma Cambridge Analytica habe hier anscheinend Daten von Millionen Facebook-Nutzern unerlaubt für die Wahlwerbung missbraucht. Und nach jüngsten Erkenntnissen ist der Skandal bei Facebook noch größer als vermutet. Statt der bisher angenommenen 50 Millionen Nutzer scheinen 87 Millionen betroffen zu sein. Nach Angaben von Facebook sind auch die Daten von mehr als 300.000 Nutzern aus Deutschland weitergegeben worden, obwohl an der ausschlaggebenden Umfrage lediglich 65 Nutzer teilgenommen haben. Da die Daten aber auch unter deren Freunden gehackt wurden, ergibt sich diese hohe Zahl.

Wie kann das eigentlich passieren?

“Die Leute, deren Aufgabe es ist, den Benutzer zu schützen, kämpfen immer einen harten Kampf gegen die Leute, deren Aufgabe es ist, Geld für das Unternehmen zu verdienen.” – Sandy Parakilas, bis 2012 als Facebook-Managerin beschäftigt, hat entscheidend zur Durchsetzung von Datenschutz-Regeln im Unternehmen beigetragen.

Es ist immer ein Kampf zwischen Sicherheitsexperten, die mehr auf Transparenz drängen und dem Policy-Team, das den geschäftlichen Interessen des Unternehmens Vorrang gibt und weiterhin auf Diskretion darin besteht, wie Facebook zur Beeinflussung und Desinformation missbraucht worden ist. Weiterhin räumt Top-Managerin Sheryl Sandberg gegenüber der Financial Times ein, dass man bis zum heutigen Tage nicht weiß, welche Daten Cambridge Analytica hat und auch, dass Facebook  zu langsam reagiert hat, da Zuckerberg und sie sich erst schlau machen wollten.

Kursverlauf der Facebook-Aktie stabilisiert

Nach den jüngsten Einbrüchen hat sich die Aktie wieder etwas erholt, da auch angekündigt wurde, dass man sich aus der Zusammenarbeits mit mehreren großen Datenhändlern (WPP, Experian, Transunion und Acxiom) zurückziehen wird. Acxiom verlor daraufhin 10 Prozent des Wertes. Facebook selbst kommentierte die Frage nicht, ob das Aufkündigen der Zusammenarbeit Auswirkungen auf den Werbeumsatz des Konzerns haben wird.

Trotzdem erfuhr die Aktie einen Crash, der fast 100 Milliarden Dollar kostete. Das sind seit Mitte März ca. 17 Prozent Verlust, da man befürchtete, dass Facebook massiv an Werbekunden verliert und auch strengere Auflagen für die Datennutzung ins Haus stehen. Doch aktuell (Stand 5. April 2018)  legt der Nasdaq wieder etwas zu.

CEO Mark Zuckerberg räumt Fehler ein, bleibt aber an der Spitze

Sowohl der Konzern als auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg geben Fehler und mangelndes Verantwortungsbewusstsein zu. Natürlich will man auch den Schaden begrenzen. Zuckerberg hat am 11. April ausgesagt. Für Aussagen in Großbritannien und der EU will er aber „seine beiden besten Leute schicken“, so Zuckerberg, der in einer seiner letzten Pressekonferenzen konkret äußerte, dass er an der Konzernspitze bleiben wird. Die Größe des Unternehmens würde beinhalten, auch einmal einen Fehler zu machen.

Wie geht es weiter?

Facebook will weitere Maßnahmen in die Wege leiten, um die Daten seiner Nutzer besser zu schützen. Der erste Schritt, der unternommen wurde, schränkt die Programmierschnittstellen weiter ein. Außerdem ist geplant, das die Möglichkeit, durch die Such-Funktion über reine E-Mail-Adressen oder Telefonnummern nicht mehr möglich ist. Das Online-Netzwerk macht diese Funktion dafür verantwortlich, dass die Daten der Nutzer von außerhalb der Plattform abgesaugt worden seien.

„Es ist unsere Verantwortung, eure Daten zu schützen“, schrieb er an die Facebook-Gemeinschaft. „Und wenn wir dazu nicht in der Lage sind, dann haben wir es nicht verdient, euch zu dienen.“ – Mark Zuckerberg

Und Zuckerberg hat in seiner Aussage vor dem Kongress die Möglichkeit eingeräumt, dass es bald eine bezahlte Version von Facebook geben wird, die frei von Werbung sein wird.

Facebook will Nutzern zukünftig mehr Kontrolle über ihre Daten einräumen und die Einstellungen vereinfachen sowie die Möglichkeit geben, mehr Sicherheitsfunktionen zu aktivieren. auch soll jeder selbst entscheiden können, welche Werbeanzeigen er zulässt. Zuckerberg gibt weiter zu, dass dieser Prozess Zeit in Anspruch nehmen wird und nicht in sechs Monaten komplett gelöst sein wird, sonder einige Jahre benötigen wird. Auch habe man zu lange nur auf die positiven Aspekte von Facebook gebaut und war da wohl etwas zu blauäugig. Auch nimmt er den Fehler, zu wenig verantwortungsvoll gewesen zu sein, auf seine Kappe.

Die neue Verordnung zum Datenschutz, die ab Mai in Kraft tritt, wird es Facebook sowieso schwerer machen, aber auch das Kartellamt hat jüngst resultiert, dass Facebook „seine Marktmacht missbraucht“. Höchstwahrscheinlich sind auch von dieser Seite Maßnahmen zu erwarten. Erstaunlich ist, dass Zuckerberg die europäische Datenschutzverordnung in einem Interview gelobt hat und diese gerne weltweit gültig sehen würde. 14.000 Mitarbeiter arbeiten gerade an der Sicherheit von Facebook.

Hashtag #deleteFacebook?

Es ist recht unwahrscheinlich, dass ein größerer Anteil der über 2,1 Milliarden Nutzer das Netzwerk tatsächlich verlässt. Dennoch ist die Empörung groß und Alternativen werden diskutiert. Doch gibt es die überhaupt? Zunächst einmal ist es fraglich, ob die Daten beim Verlassen von Facebook tatsächlich gleich der Löschung unterliegen.

Facebook selbst räumt ein, dass es bis zu drei Monaten dauern kann, bis Daten endgültig gelöscht sind und das gilt nicht für Chatverläufe. Eine unverzügliche Löschung der Daten muss nach Artikel 17 der Datenschutz-Grundverordnung vom Einzelnen beantragt werden. Und dann besteht auch die Frage nach Alternativen und damit, ob bei anderen Plattformen nicht auch Datenfallen lauern.

„Eine Umfrage zeigt: Facebooks Datenskandal hat das Vertrauen der Deutschen in den Konzern nicht sehr erschüttert. Sie hatten sowieso schon keines. 88 Prozent haben wenig oder gar kein Vertrauen.“

Quelle: F.A.Z.

Schauen wir, wie es weitergeht. Erste Stimmen haben in Deutschland schon verlauten lassen, dass auch das Vertrauen in eine bezahlte Version ohne Werbung auch nicht höher sein wird.

 

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1 Antwort
  1. ONMA Hannover
    ONMA Hannover says:

    Ich bin auch wirklich sehr gespannt, wie es mit Facebook weitergeht. Ich glaube aber, dass der Trubel um den Datenskandal sicherlich bald von einem anderen Skandal abgelöst wird und dann kräht kein Hahn mehr danach..

    Antworten

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