Lässt der Verbraucher die Zukunft der Videoanalyse zu?

Bei dem Thema Gesichtserkennung denken die meisten an Überwachungskameras, die man ja mittlerweile an Bahnhöfen, Flughäfen und auch in Städten, hier vorwiegend in Fußgängerzonen, findet.

Was die wenigsten wissen ist, dass die Kameras in Supermärkten, Tankstellen oder Möbelhäusern nicht nur der Diebstahlsicherung dienen, sondern hier auch zu Marketingzwecken aufgezeichnet wird, welche Wege der Kunde beispielsweise einschlägt. Hier hat man dann an prominenten Punkten die Angebote platziert und konnte dann eine Umsatzsteigerung  verzeichnen.

Die künstliche Intelligenz bietet jetzt hier noch ganz andere Möglichkeiten. Der Fortschritt macht möglich, dass hier die Programmierung in der Sensortechnik Gesichtsanalysen unmittelbar durchführen kann. Die lernfähigen Algorithmen sind nun sogar soweit, dass sie den Gemütszustand eines Kunden einordnen können. Hier entsteht ein immenses Potenzial, wenn man hier gewonnene Einsichten über das Kaufverhalten mit den Angeboten am POS verbindet.

Einzelhandel zeigt wachsendes Interesse

Nicht bei uns in Deutschland, aber in China, den USA oder in Großbritannien werden die Menschen nicht nur an öffentlichen Plätzen, sondern tatsächlich schon im Einzelhandel dauerhaft überwacht. Auch hier gibt es von Martktforschungsunternehmen Prognosen für das Jahr 2010. Man schätzt, dass bis dahin der Markt ein Volumen von 42 Milliarden US-Dollar für solche Technologien verschlingt.

Wie arbeitet die Software?

Die Software misst beispielsweise den Augenabstand, die Nasenbreite, wie tief Ihre Augenhöhlen liegen, Ihre Kinnpartie und weitere Gesichtsmerkmale. Die KI in den Programmen liest hier dann zunehmend Gefühlsregungen ab und kann diese sogar einschätzen.  

Auch hier liegt die USA vorne. Die Internetgrößen wie Facebook und Google nutzen schon Programme wie z. B. Deep Face, die Gesichter erkennen und zuordnen können. Und das auf keinen Fall schlechter als ein Mensch. Die Technik schreitet rasant fort. In den USA werden schon Human-Analytics Plattformen angeboten, die auch mit lernfähigen Programmen gesichter, wo auch immer, analysieren. Man ist sich auch bewusst, dass Gesichtserkennung Vorteile für den Verkauf von Dienstleistungen wie Produkten bieten können. Nicht zu vergessen, dass nicht nur die Wirtschaft, sonder natürlich auch die Staaten hier reges Interesse anmelden. Das wird die Technologie weiter antreiben, da hier in biometrische Techniken zunehmend investiert wird.  

Beispiele aus der Praxis

Der H&M Store am New Yorker Times Square hat gleich am Eingang einen kybernetischen, intelligenten Spiegel aufgestellt, der sowohl Sprach- als auch Gesichtserkennung integriert. Durch die Sprachsteuerung nimmt der Spiegel mit den Kunden Kontakt auf und geht soweit, ihnen individuelle Outfits vorzuschlagen. Die Kunden können sich das Outfit auf Ihr Smartphone laden. Auch Selfies macht der Spiegel, die H&M dann im Kundenmagazin publiziert.   

Kentucky Fried Chicken hat in Peking einen Versuch durchgeführt, der nach Alter und Stimmung des Kunden eine angenommene Menüauswahl traf. Man arbeitet bei der betreuenden Software-Firma genau an Lösungen zur Vorhersage von Kundenwünschen.

Maßgeschneiderte Angebote mit intelligenter Gesichtserkennung

Die Hoffnung der Unternehmen liegen auf personalisierter Werbung und einer genauen Einschätzung der Kunden mit der Möglichkeit zu einem personenbezogenen individuellen Angebot. Hierzu verknüpft man Erkenntnisse aus den Kundendaten mit der Technik der Gesichtserkennung. Es ist erstaunlich, wie man hiermit schon Vorlieben und Abneigungen für Produkte bei mehreren besuchen des Kunden festlegen kann. Die Cookies beinhalten dann zukünftig auch ein Foto des Kunden.

Das hätte beispielsweise zur Folge, dass Sie gläsern werden. Wenn Sie ein Geschäft betreten, wissen die Mitarbeiter, was Sie das letzte Mal gekauft haben. Der Gedanke geht weiter. Sie sind im Markt und schauen sich vor Ort einen Fernseher an, den Sie aber nicht kaufen. Zuhause erhalten Sie dann Angebote im Internet oder auf einem Ihrer Social-Media-Profile genau von diesem Fernseher, vielleicht noch mit einer Rabattierung und interessanten Informationen rund um das Produkt.

Skepsis bei deutschen Verbrauchern

Neben den noch vorhandenen technischen Lücken ist der Verbraucher in Deutschland aber noch recht skeptisch. Also ist hier auch noch der rechtliche Faktor mit einzubeziehen, da jegliche Überwachung in den Märkten als Eingriff in die Persönlichkeit gewertet wird. Fast 80 Prozent der Konsumenten lehnen eine Gesichtserkennungs-Überwachung ab. Zwei Drittel würden dann sogar einen Supermarkt, der das praktiziert, gar nicht mehr aufsuchen.

Da ein gutes Kunden-Anbieter-Verhältnis auf Vertrauen basiert, sind wir hier wohl noch ein großes Stück von einer Integration dieser Technologie im Einzelhandel entfernt. Nichts desto trotz wird dieser dranbleiben, da hier doch ein Riesenpotenzial für punktgenaue Verkaufsstrategien liegt.

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