Zahlen mit dem Smartphone

Amazon Go oder was geht?

Ein Hoch auf den stationären Handel durch Apps?

Generell weiß keiner so genau, wann Amazon wo und mit was startet. Allerdings ist Amazon Go doch heftig im Gespräch. Wir es bald einen stationären Flughafen-Shop in Europa geben oder nicht?

Eines ist sicher. Zuerst war Amazon der Vorreiter bei der Verknüpfung von E-Commerce, Online-Shops und dem stationären Handel und hat auch mächtig vorgelegt mit dem kassenlosen Bezahlen mittels einer App. Allerdings hat man Amazon hier mittlerweile an einigen Stellen überholt!

econsor hat sich schlau gemacht, wo die Technik eigentlich im Moment anzusiedeln ist und was bei amazon eigentlich geht mit dem „Go“.

Die Idee und der Anfang

Vielleicht findet man bald zuerst Amazon Go-Shops, an denen man kassenlos bezahlen kann im deutschen Einzelhandel, bevor die Idee der Flughäfen Fuß fasst? Das Konzept verspricht Erfolg. Bezahlen ohne Kasse und Geldbeutel. Das US-Unternehmen macht mit dem Amazon Go-Konzept deutlich, dass es kein reiner Internethändler mehr sein will. Führt das wieder auf dem Weg zurück in den Einzelhandel? Verschwinden die Fußgängerzonen doch nicht?

Den Anfang machte das Unternehmen vor einem Jahr in den USA. Sieben Amazon Go-Läden hat das E-Commerce-Unternehmen seit Januar 2018 in den USA eröffnet, unter anderem in Chicago, San Francisco und Seattle. Schon beim Betreten der Shops werden Kunden mit Kameras gescannt, wenn sie sich einfach mit ihrem Smartphone an einem Drehkreuz einloggen. Und auch immer dann, wenn sie einen Artikel aus dem Regal nehmen, wird das Produkt im Scan und auf der App erfasst.

Die angedachte Zukunft

Laut der Nachrichtenagentur Reuters will Amazon Go auch an US-Flughäfen mit  kassenlosen Supermärkten einen ganz neuen Vertriebsweg einschlagen, denn gerade hier stehen Konsumenten unter Zeitdruck und möchten Produkte auf die Schnelle erwerben, was vor allem ein schnelles Bezahlen gewährleistet. Die Kunden verlassen durch eine Art Check-out-Gate den Supermarkt und dabei wird der Bezahlbetrag automatisch über das Amazon-Konto und die Kreditkarte in der Hosentasche belastet. Das heißt keine Kassen, kein Bargeld und somit keine Warteschlange.

In Amerika , so lässt es die Nachrichtenagentur Bloomberg verlauten, werden bis 2021 bis zu 3.000 „Amazon-Go“-Läden ohne Kassierer eröffnet werden. Etappenziel für 2019 sind laut Amazon 50 weitere Go-Läden, alle in den wichtigsten Großstädten.

Harte Nuss Deutschland

In Deutschland hält derzeit noch das Unternehmen der Gebrüder Heinemann mit seinen 330 Travel Value & Duty Free-Shops mit 40 Millionen Kunden und einem Umsatz von über vier Milliarden Euro noch den Daumen auf den Flughafenshops. Und man geht hier auch mit der Zeit, denn für chinesische Kunden führte Heinemann jetzt Mobile Payment per Handy an den rund 100 Kassen aller 28 Shops von Frankfurt Airport Retail mit den beiden größten mobilen chinesischen Bezahl-Anwendungen Alipay und We Chat Pay ein.

Das möchten nun die Heinemann Shops an zwölf weiteren europäischen Flughäfen und danach weltweit einführen. Doch was ist mit dem deutschen Einzelhandel?

Saturn ist Vorreiter beim stationären Handel

Auch der deutsche Einzelhandel unternimmt erste, allerdings noch sehr zögerliche Schritte hin zur kassenlosen, digitalen Bezahlung. Man findet erste Self-Check-Outs z. B. bei Karstadt in der Zusammenarbeit mit Click&Collect beim Abholen online bestellter Ware.

Erste Versuche mit (Self)Scan & Go findet man bei Ikea, Real, Rewe und Rossmann oder auch McDonalds. Das verspricht aber keinen Zeitvorteil, der, zudem noch viele Fehlermeldungen durch Personal behoben werden müssen, gänzlich fehlt.

Einen großen Schritt hat Saturn mit Tests in den Filialen in Innsbruck und München gemacht. Mit dem Bezahlsystem Smartpay können Kunden die Ware mit einer App für Android und iOS scannen und direkt am Regal mit Kreditkarte oder Paypal bezahlen. Im Anschluss erhält man sofort den digitalen Kassenbon. Google Pay und Apple Pay hat man jetzt in der aktuellen Einführungsphase zusätzlich integriert. Beim Verlassen des Marktes wird die Ware dann beim Durchgehen durch den Smartpay-Express-Schalter entsichert.

Trotz 30.000 Nutzern in zwei Monaten spricht Saturn  noch von einem Pilotprojekt. Wahrscheinlich, um bei aufkommenden Problemen auf die Bremse treten zu können. Allgemein wünscht man sich aber etwas mehr Mut beim Einzelhandel!

Bange Haltung beim Einzelhandel

Die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten und kundenorientiertes Marketing unumgänglich. Warum also soviel Mutlosigkeit bei den Händlern? Wo bleibt die Innovationsfähigkeit? Kassenschlangen zu eliminieren ist seit Jahren das erste tatsächliche Novum im Einzelhandel. Bezeichnend ist, dass die Idee von einem Onlinehändler kommt. Wo bleibt der Jubelschrei? Hat man Angst vor der Technik? Die Angst vorm Sterben der Innenstädte müsste bei den stationären Händlern unseres Erachtens größer sein!

Reaktionen auf der EuroCIS Düsseldorf sprechen Bände

Unternehmen, die sich auf digitale Preisschilder oder computergesteuerte Bestandsverwaltungslösungen ausgerichtet haben, erfuhren auf der Messe nachweislich so gut wie keine Nachfrage, obwohl diese teilweise sogar AmazonGo abbilden könnten. Keinen hat es interessiert.

Und doch sehen Digitalexperten hier eine große Zukunft. Interaktive Verkaufserlebnisse werden die Wahrnehmung des Einzelhandels aus Sicht der Kunden wieder in einem positiven Licht erscheinen lassen. Der Kunde verlässt den Laden, ohne je eine Kassenschlange gesehen zu haben – das ist am Verbraucher orientiert gedacht!

Das momentane Zögern kann den Handel den Kopf kosten.

Der Start von Amazon Go in Europa

Das ist keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann”. Für London hat Amazon beim IPO (Intellectual Property Office, das britische Patentamt) sowie bei den äquivalenten Behörden der EU für vier Slogans Schutz angemeldet, die sich auf Go-Supermärkte für Convenience Food (Fertiggerichte und Sandwiches) beziehen.

Abschließend sei noch erwähnt, dass China sich wieder mal an die Spitze gestellt hat und hier sogar Amazon spät oder sogar zu spät dran ist. Einige ähnliche Ketten mit Hunderten mit Amazon Go vergleichbaren Shops werden gerade eingeführt.  

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